Sudavik

Sudavik

Nach einer sechsstündigen Fahrt landen wir dann schließlich in Sudavik – besser gesagt: wir sehen das süße Örtchen (von Stadt kann hier keine Rede sein) von einem der Hügel auf der anderen Seite des vor uns liegenden letzten Fjords. Soll heißen: Luftlinie in etwa 1km, die noch vor uns liegende Strecke allerdings nochmals knapp 20km.

Eine gute halbe Stunde später erreichen wir dann auch endlich das Ziel. Wir irren etwas im Ort rum, um das Arctic Fox Centre zu finden. Kann doch nicht so schwer sein bei gerade mal zwanzig Häusern.

Sudavik

Kurz darauf gefunden, Tryggvi ist auch schon da. Die internationalen Guests werden besonders freundlich begrüßt, gleich mal ne Fischsuppe auf den Tisch gestellt… was, zwei Vegetarier? Die B-Variante Gemüsesuppe erweist sich allerdings auch als sehr lecker.

Wenig später wird die Konzertlocation besichtigt, eine amerikanisch angehauchte Mischung aus Bar und Fastfoodrestaurant. Aha, was anderes vorgestellt, aber was soll’s…

Der Laden ist zu Konzertbeginn auch voll – soll heißen an die 50 Leute, welche entweder aufmerksam dem Konzert teilhaben oder auch lautstark feiern und Alkohol in sich reinschütten. Ich entscheide mich für eine kleine Programmänderung, um auch die Ignoranten darauf aufmerksam zu machen dass hier ein Konzert stattfindet. Und so spiele ich das halbe Set mitten im Publikum, fordere sie zu interaktiven Tätigkeiten auf und spiele den letzten Song großteils auf einem Barhocker stehend. Rock’n’Roll!

Meine Reisegenossen haben es etwas schwerer, oder auch leichter – wie man’s so sieht. Damit die Einwohner und auch auswärtigen Festivalgäste sicher von einer zur nächsten Location kommen, hatte man einen Festivaltrain organisiert. Dieser besteht aus einem typisch-isländischen Pkw-Panzer mit einem Anhänger, auf dem an die 10 bis 15 Leute Platz haben – je nachdem wie nahe sich diese sind, oder auch je nach Alkoholspiegel, rücken die Gäste am Train näher und näher zusammen. Bei der letzten Fahrt sitzt man aufeinander und singt lautstark isländische Weisen in die dunkle Nacht. Komisches Volk.

Diese letzte Fahrt findet unmittelbar vor dem Set von „Cavanagh & Argus“ statt – was zur Folge hat, dass sich der Laden radikal leert und außer uns Musikern nur mehr ein weiterer Tisch im hinteren Bereich bleibt. Allerdings um weiterzufeiern, nicht der Musik wegen.

Und so komme ich in den Genuss zweier quasi Privatkonzerte – glücklicherweise finde ich beide Sets auch wirklich gut. Gibt ja nichts schlimmeres als gute Miene zum bösen Spiel zu machen – soll heißen: in erster Reihe sitzend, zwangswippend und mit einem aufgesetzten Smile und interessierten Blick die vortragenden Musiker zu bewundern, sich gleichzeitig aber weit weg von diesem Ort zu wünschen weil einem die Musik langweilt oder man sie sogar furchtbar findet. Harte, aber wahre Worte.

Nach Daniel’s „Headlinerslot“ packen wir unsere Sachen (und eine Tasche voller Bier) und machen uns auf den Weg zu unserer Unterkunft, die gerade mal einen Steinwurf entfernt ist. Tryggvi ermahnt uns beim Eintreten, dass in einem weiteren Zimmer zwei französische Musikerinnen schlafen würden und wir uns leise verhalten sollen. Wie war was? Dave’s Augen beginnen zu leuchten – scheint irgendwie ein Phänomen zu sein… sobald die Rede von Französinnen ist, wandert ein sehnsüchtiges Seufzen durch die männliche Runde. Wie machen die das bloß?

Den Rest des Abends beziehungsweise der Nacht verbringen wir in einer ehemaligen Tankstelle, die zum Club umfunktioniert wurde. Eine Tankstelle für ein 180-Seelen-Dorf (ich verwende hier mal bewusst nicht den Begriff „Stadt“) ist ja nun doch etwas übertrieben – die Priorität der Isländer scheint in der Regel doch mehr beim Alkoholkonsum als bei der Versorgung ihrer Fahrzeuge mit Flüssigem zu sein.

Nachdem nun auch diese letzte Station auch dicht und dunkel gemacht hat, werden wir noch auf eine Privatparty geladen, die wir allerdings zeitig verlassen und uns auf den gefühlt langen Heimweg (etwas mehr als 500m) machen und erschöpft und betrunken in unsere Betten fallen.

Von den angeblichen Französinnen weit und breit nichts zu sehen oder spüren. Dave meint sogar, sie seien bloß „a Legend“.

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