Gummi Hjalta

West Fjords

Nach einer fast einstündigen Fahrt landen wir bei einem einsamen Haus mitten in den Bergen, aus dem anliegenden Wirtschaftsgebäude (zumindest scheint es als wäre es mal eins gewesen) ertönt laute Musik und noch lauteres Mitsingen… here we are!

Die Party entpuppt sich dann auch als so was wie eine extravagante Touristenattraktion, denn welcher Reisende wird auch schon zu einem Fest mitten im Nirgendwo der West Fjords geladen?

An die hundert, großteils bereits an- oder betrunkener Isländer bewegen sich in und um das Gebäude, schnell macht auch das Ankommen der internationalen Gäste die Runde.

Hier werden wir auch Zeuge, dass an der Theorie, welche besagt dass angeblich und scheinbar jeder zweite Isländer entweder ein Instrument beherrscht und/oder Mitglied in einem Chor ist, was dran ist. Zumindest zeigen sie keinerlei Hemmungen, gesangliche und musikalische Darbietungen auf der Bühne zu absolvieren. Gummi’s (erwachsene) Kinder scheinen besonders viel vom Vater geerbt zu haben – blockieren quasi ununterbrochen die Bühne und bringen und singen ein Ständchen nach dem anderen.

Zu später Stunde werden wir dann auch auf die Bühne gebeten, um dem Geburtstagskind noch ein Ständchen zu überbringen. Dave und Michael erklimmen zielbewusst die Bühne und präsentieren in „leicht“ alkoholisiertem Zustand trotzdem souverän zwei ihrer Songs. Das gesamte Publikum stellt sich ohne Ausnahme vor der Bühne auf und lauscht andächtig den vortragenden Musikern, manche wippen auch leicht im Takt des tighten Fingerpickings der beiden.

Ich entscheide mich anschließend, der Situation und meinem Zustand angepasst, für Easy Listening und mehr oder weniger einfachen Songs und versuche zuerst mal die Meute mit dem Country-Schunkel-Song „Now’s the time“ in Stimmung zu bringen – funktioniert bestens. Ich habe zudem die Ehre über Eggert’s pinke Akustikgitarre von anno dazumal zu spielen, und da ich sie direkt in den nächstgelegenen Marshallamp einstöpsle, erinnert das alles irgendwie an Jake Bugg.

Die isländischen Menschen heißen den Österreicher mehr als willkommen und beginnen auch gleich mal im Takt zu klatschen. Mitten im Song springt dann auch noch Geburtstagskind Gummi auf die Bühne, schnappt sich den Bass und steigt ein, als wäre er schon immer Teil meiner Band. Dave hat sich übrigens bereit erklärt, mich am Schlagzeug zu begleiten.

Anschließend entscheide ich mich für einen neuen Song, animiere die Leute zum Mitsingen und am Ende verlasse ich unter – nun ja – fast tosendem Applaus die Bühne.

Eggert nimmt mich in die Arme, spricht ein kurzes Lob aus und meint dann so was wie: „so müde scheinst du nun doch nicht zu sein“. „Das macht die schwarze Luft, Eggert“.

Anschließend tanzen wir noch übermütig zu Midnight Oil (vor allem natürlich die Australier) und Kiss, bis wir vom mittlerweile auch ermüdeten Eggert in den Bus gebeten werden. Eine rumpelige, wiederum einstündige Busfahrt später landen wir in der Küche unseres temporären Heims. Über den Bergen grüßt bereits der Morgen, Dave schläft am Küchentisch ein und ich geh zu Bett, diesmal mit Decke. Die Heizung ist auch an.

Sudavik in the Morning

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