The Folk goes on

Melodica Festival Reykjavik Newspaper

„Du… du hast mich… du hast mich gefragt…“  ähmm, hallo Nachbarn – alles okay bei euch?

Hellhörig ist äußerst untertrieben was Tryggvi’s Wohnung betrifft. Könnte jedes Wort mitsingen, bin allerdings kein Rammstein-Fan, abgesehen davon dass meine Stimme noch nicht imstande ist, irgendwelche Laute von sich zu geben. Kluger Kopf hat allerdings immer seine Ohrenstöpsel neben sich liegen, schnellstens diese in den klugen Kopf gestopft… Rammstein sind gedämpft. Weiterschlafen.

Das Wetter ist verlässlich und beständig, soll heißen: 11 Grad und leichter Nieselregen. Kein Problem, schon daran gewöhnt. Meine Erkältung wird von Tag zu Tag etwas besser, dafür ein anderer Zustand immer schlimmer: anstatt eines Bad Hangover Day spreche ich nun bereits von einer Bad Hangover Week. Einmal noch durchhalten, dann kann ich mich beim nächtlichen Rückflug entsprechend ausschlafen. Oder so. Nach einem dahinvegetieren und eh für nichts fähig sein, mache ich mich mit meinem Neuen Roommate Niels auf den Weg zum Maritime Museum. Liegt ja quasi am Weg zum Cafe Haiti.

Im Gegensatz zu gestern ist das gesamte Museum voller Leute, inklusive der zugehörigen Cafehalle. Heute ist Culture Day in Reykjavik, was soviel heißt wie: die Menschen kommen von überall im Lande in die Hauptstadt, um zu feiern. Tagsüber widmet man sich der kulturellen Angebote, abends ist das große kollektive Saufen angesagt. Manche beginnen damit schon unmittelbar nach dem Frühstück, Sightseeing bei dem Wetter ist ja auch irgendwie unlustig.

Zurück ins Museum. Die Menge der Leute (und vor allem Kinder) hat zur Folge, dass die spielenden Acts bloß als Hintergrundbeschallung wahrgenommen werden. Die Hintergrundbeschallung tritt dann auch immer mehr in den Hintergrund, also beschließen wir uns gleich mal auf den Weg ins Haiti zu machen. Am Ziel angekommen werden wir ob der erwartenden Gemütlichkeit leider enttäuscht – der Laden is brechend vollgestopft, zumindest werden die hier die spielenden Musiker etwas mehr beachtet. Liegt vielleicht auch daran, dass es hier – im Gegensatz zum Maritime Museum – eine wirkliche Bühne (also leichte Erhöhung in einer Ecke) gibt.

Der hungrige Musiker stellt sich auch gleich mal brav in die Schlange, um eine Viertelstunde später damit abgefertigt zu werden, dass es bloß ein Freibier pro Musiker gibt. Aha. Entscheide mich dann für das mehr als großzügige Angebot, eine vegetarische Quiche anstelle des Bieres zu konsumieren. Gute Entscheidung, ein Bier hätte dem Künstler wohl noch nicht so gut getan.

Wenig später trudeln dann auch meine musikalischen Gäste ein. Lucy Hall wird mit mir wieder über Teenagerprobleme duettieren, Maren Win am Metallophon xylophonieren und als Neuzugang wird Joshua Teicher von Mez Medaillion mit Akustikgitarre und Oktaver (Effektgerät welches eine Oktave nach unten… äh, oktaviert) den Bass bei „Now’s the time“ spielen. Die Australier haben sich auch angesagt, tauchen aber bis Konzertbeginn nicht auf, also keine traurigste Coverversion heute. Trotz technischer Probleme (die spontan von Kollege Tryggvi mit einem Malerband behoben werden) starte ich pünktlichst.

Das Durchschnittsalter ist ziemlich hoch, ändert sich aber fast im Minutentakt, da Leute kommen, gehen oder auch bloß durchschlendern. Entscheide mich, den Menschen gehoberen Alters eine Freude zu bereiten und lasse sie im Walzertakt zu „Lisbon“ schunkeln und summen.

Die Australier tauchen auch auf – zu spät für den Pet Shop Boys Song, aber noch früh genug um den lieben Dave hinter das auf der Bühne stehende Drumset zu bitten, um mit mir und Joshua den Leuten ein schunkelndes Finale zu bieten. Country mögen sie also auch hier. So sehr, dass sie trotz meines ermahnenden „Pssts“ bis ans Ende des Songs klatschen. Grandioses Finale – danke Island, es war mir eine Freude!

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